42. Berlin-Marathon – An der 3:15h gescheitert?!

Vor genau 277 Tagen machte ich mich auf, für den Berlin-Marathon zu trainieren. Angestrebtes Ziel war es unter 3:15h durch das Brandenburger Tor zu laufen!

Letztes Wochenende war es dann soweit. Freitags ging es los in Richtung Hauptstadt. Ankommen und ein wenig Marathon-Luft schnuppern, das waren die Ziele für den Samstag.

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Breakfast Run … Warmlaufen für den Marathon

Samstagsmorgens stand das erste Highlight auf dem Programm. Der Frühstückslauf über 6 Kilometer mit Start am Schloss Charlottenburg und Zieleinlauf in das Berliner Olympiastadion. Ein absolut geniales Erlebnis ins Stadion einzulaufen und sich als Held des Abendlandes zu fühlen, obwohl noch nichts, aber rein gar nichts, geschafft war.

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Man kann mich sogar erkennen: Grünes Shirt + Weiße Kappe

Nachmittags war dann alles für den großen Lauf angerichtet. Meine Startunterlagen hatte ich brav abgeholt und die Stände auf der Berlin-Vital Messe abgeklappert. Nun hieß es, Beine hoch, Nudeln essen und die Nervosität locker überspielen.

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Abholung der Startunterlagen

Randnotiz: Die Nervosität zu überspielen ist mir rein gar nicht gelungen. Selten habe ich so eine unruhige Nacht, wie die von Samstag auf Sonntag erlebt. Schlafen konnte ich kaum. Mir war heiß, dann wieder kalt. Effektiv geschlafen habe ich vielleicht 2-3 Stunden. Der Rest war ein ständiges: Decke weg, Decke wieder her und von Links-auf-Rechts-gedrehe.

Dann war der große Tag endlich da. Das obligatorische Frühstück gab’s um 7 Uhr. Danach ging alles richtig flott. Die Laufklamotten an, nochmal die Uhr gecheckt und ab in Richtung Start. Startgruppe D für Läufer mit Zielzeiten von 3:00h bis 3:15h. Hier war ich richtig. Zumindest noch zu diesem Zeitpunkt!

Der Startplatz war schnell gefunden. Und auch meine Taktik, alte Hosen und einen alten Pullover anzuziehen, die ich kurz vor dem Start loswerden wollte, ging voll auf. Nun stand ich da. Null-Neun-Hundert mitten in Berlin. Knapp 100 Meter vor mir so Lauf-Eliten wie Mutai, Kipchoge und Anna Hahner.

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Follow the blue Line …

Absolutes Gänsehaut-Feeling schon vor dem Start. Noch dazu der Gedanke, dass meine Fans zu Hause alle gebannt das Live-Tracking verfolgen würden. Meine Motivation war also am absoluten Siedepunkt. Ich wollte es jetzt einfach nur noch angehen!

Und dann ging es los. 9:02 Uhr überquerte ich die Startlinie. Locker anlaufen war die Devise. Aber wie immer bei solchen Veranstaltungen lag der Fokus auf den ersten 5 Kilometern darauf, nicht über die Hacken der anderen Läufer zu stolpern. Und so versuchte ich von Anfang an meine angestrebte Pace von 4:37 min/km zu gehen. Noch dazu hatte ich den Menschen mit dem Luftballon auf dem die 3:15 stand, stets im Blick.

Und so ging es dann dahin. Vorbei an der Siegessäule. Die 5 Kilometer-Marke war geschafft. Und endlich ein bisschen Luft. Das Feld lockerte sich von Kilometer zu Kilometer auf. Vorbei am Bundeskanzleramt, dem Reichstag und mit einer Zwischenzeit von 45:03 Minunten über die Matten bei Kilometer 10.

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Fokussiert auf das was noch kommt!

In Berlin-Mitte, Neukölln und Kreuzberg dann an unzähligen Fans vorbei (die wie eine Perlenschnur über die gesamte Strecke verteilt waren) und Zack war auch der Halbmarathon geschafft. Mit einer Zwischenzeit von 01:36:01 war ich zu diesem Zeitpunkt noch voll im Soll.

Auch die nächsten 10 Kilometer liefen ganz gut. In der Nachschau ist definitiv festzuhalten, dass ich mich unzureichend verpflegt habe. Bei der Halbmarathon-Marke habe ich mir eine Ampulle Magnesium, Aminosäuren und L-Carnitin reingedonnert. Dazu war bei Kilometer 30 der Zeitpunkt gekommen, ein Gel einzuwerfen. Absolut eckelhaft diese Dinger, aber naja ich hoffte darauf, dass es mich ins Ziel tragen würde.

Doch dem war nicht so. Bei Kilometer 34 riss mich ein Krampf in der linken Oberschenkel-Rückseite ruckartig aus dem Rennen. Ich musste meinen Freund mit dem Luftballon ziehen lassen und den Krampf behutsam rauslaufen. Ab diesem Zeitpunkt war ich gut 1-2 Minuten langsamer pro Kilometer unterwegs.

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Batschnass geschwitzt …

Bei Kilometer 35 ging ich noch mit 2:42:22 über die Matten. Danach begann es: Der Kampf Kopf gegen Körper! Okay, von der 3:15h hatte ich mich zu diesem Zeitpunkt schon verabschiedet. Überhaupt kein Thema, weil 3:15h schon eine krasse Zeit ist. Aber ich habe mich so hart auf diesen Marathon vorbereitet. Eine Zeit unter 3:30h sollte es dann schon sein!

Und so schleppte ich mich unter mega Schmerzen Kilometer für Kilometer weiter. Irgendwann waren dann die 40 Kilometer geschafft. Und ich wusste, dass es rund noch eine Viertelstunde Belastung ist, bevor ich mir den Ruhm und die Ehre abhole. Ich quälte mich also weiter.

Mit Blick aufs Brandenburger Tor war mir klar:

DU HAST ES GESCHAFFT!

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Zieleinlauf. Mein gequältes Gesicht spricht Bände!

Ich regte die Arme soweit es noch ging nach oben, genoss die letzten Meter und finishte bei 3:27:02. Ich hatte nach diesen Strapazen sogar etwas Pipi in den Augen!

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Kurz danach wieder top gelaunt!

Einige von euch denken jetzt mit Sicherheit: Der Kerl nimmt sich ne 3:15h vor und rennt dann ne 3:27h. Ziel wohl etwas zu hoch gesetzt! Nein, gar nicht. Der Marathon hat seine eigenen Gesetze. Und nun ja, was nicht ist, kann ja noch werden. Die 3:15h bleiben einfach weiterhin mein Ziel.

Es war ein Sieg, nein 42,2 Siege gegen mich selbst. Das zeigt die Aufzeichnung meiner Pulsuhr ganz gut. Vor lauter Nervösität startete ich eigentlich direkt mit einem Puls von 175 und höher. D.h. ich war eigentlich von Anfang an schon in der Maximallast. Ein Wunder, dass ich es soweit geschafft habe!

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Auswertung Tempo + Herzfrequenz

Aufgeben gabs nicht. Ich bin einfach super glücklich. Ich habe einmaliges erlebt: Die Atmosphäre, die Menschen, die Strecke, die Stadt …

Ort, Datum: Berlin, 27. September 2015
Startnummer: #30125
Distanz: 42,2 km
Höhenmeter: keine Angabe
Zeit: 03:27:02
Platzierungen: 6024. von 37877 (Gesamt)
Urkunde: PDF
Ergebnisliste: PDF
Homepage der Veranstaltung: Link

Zum Schluss, EUCH noch vielen Dank für euren Support! Das Video zum meiner #road2berlin widme ich euch!
IHR SEID GENIAL!

Es wird weitergehen, für 2016 stehen die Ziele schon fest: Der StrongmanRun auf dem Nürburgring im Mai und natürlich ein weiterer Angriff auf die 3:15h!!! Sofern ich wieder Losglück habe werde ich beim Berlin-Marathon im September 2016 wieder dabei sein!