7. Fisherman’s Friend StrongmanRun 2014 – Mein erster Schlamm-Lauf

Ein kurzes Statement zu Samstag, den 10. Mai 2014 zu Anfang: Kein Tag wie jeder andere, sondern wohl ein Tag, an den ich noch lange Erinnerungen knüpfen werde!

Punkt 6 Uhr riss mich mein Wecker aus dem Schlaf. Doch war heute etwas anders. Ich hatte nicht das Bedürfnis dieses blöde Ding aus dem Fenster zu werfen. Ganz im Gegenteil, ich konnte es kaum abwarten aus dem Bett zu kommen und die letzten Vorbereitungen für den wohl stärksten Lauf Deutschlands zu treffen: Den Fisherman’s Friend StrongmanRun auf dem Nürburgring.

Die nackten Zahlen zum Lauf machen auch dem Letzten die Einzigartigkeit dieser Veranstaltung klar:

  • 13.000 angemeldete Läufer,
  • lediglich 11.906 trauten sich tatsächlich an den Start
    (d.h. 1.094 Läufer hatten vor Start schon die Hosen voll),
  • davon 1.870 Frauen,
  • und 10.036 Männer
  • 8.176 heldenhafte Finisher!
    (d.h. 3.730 Läufer haben den Lauf nicht überlebt!)
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Falls man durch das eiskalte Becken nicht schwimmen wollte …

An dieser Stelle ist es angebracht, den Mädels ein großes Lob auszusprechen: Ihr habt das teilweise besser überstanden, als so mancher Möchtegern-StrongMAN. Und gleichzeitig ist auch ein Tadel an alle Möchtegern-„Strongmänner“ da draußen fällig: Eine gewisse Grundfitness wird bei einem solchen Event vorausgesetzt.

Man sollte es kaum glauben, aber es ist so! Es reicht nicht aus, sich ein Kostüm über zuziehen und sich einen geeigneten Kampfschrei auszudenken. Leider waren viele dabei, die sich darüber keine Gedanken gemacht haben und schon an den ersten Strohballen, die es zu überwinden galt, Hilfe benötigten (und vor allem die Dreistigkeit besaßen, sich von Mädels auf das Hindernis hieven zu lassen).

Ja Leute, glaubt ihr denn echt ihr überlebt 24 Kilometer vollgepackt mit Hindernissen, wenn schon 5 Kilometer im Laufschritt ein Problem darstellen? Absolutes Unverständnis von meiner Seite und einen dicken Daumen nach unten. Die anfänglichen Staus an den Hindernissen sind mit Sicherheit auch ein Ergebnis eurer unzureichenden Fitness gewesen.

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Zu Anfang war ich noch gut gelaunt 😉

Nun aber zum eigentlichen Lauf: 2 Runden mit jeweils 12 Kilometern und 17 Hindernissen macht in der Endabrechnung knappe 24 Kilometer und 34 Hindernisse, die es zu überwinden galt. Nieselregen, teilweise starke Winde und Temperaturen um 8°Celsius sollten das Ganze nicht leichter machen.

Für mich und meine Kumpels war klar, dass wir uns dieser Witterung, die die Eifel an diesem Tag für uns bereitstellte, nicht länger als nötig aussetzen wollten. Im Klartext begaben wir uns etwa eine Stunde vor Start in die Startaufstellung und sicherten uns damit zumindest noch einen Platz im vorderen Mittelfeld.

Hier ein kleiner Tipp an alle künftigen StrongmanRun-Teilnehmer, die sich an diesem Lauf versuchen wollen: Packt euch eine Hose und Pullover ein, an denen ihr nicht sonderlich hängt. Kurz vor Start heißt es dann Klamotten aus und los geht’s. Damit erspart ihr euch das unnötige Auskühlen vor dem eigentlichen Rennen.

Pünktlich um 13 Uhr schickte uns der Einheizer (starke Musikauswahl!) auf die Strecke. Für uns hieß es aber noch warten bis sich die Reihen vor uns in Bewegung setzten. Geschlagene 15 Minuten später konnten wir langsam anfangen zu traben. Das Ergebnis des Ganzen? Die ersten vier bis fünf Hindernisse waren immer wieder mit Wartezeiten verbunden.

Bei rund 12.000 Leuten lässt sich eine gewisse Enge wohl kaum vermeiden, doch sollte die Organisation mal über eine Einteilung in Startgruppen nachdenken. Auch ein Hamburg-Marathon mit 14.000 Teilnehmern ermöglicht jedem Läufer, ob aus der Kategorie Haile Gebrselassie oder der Kategorie Nordic-Walker, eine freie Sicht auf die Strecke.

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Das letzte Hindernis von oben!

Hindernis 1 „Muddyküre“
Kleinere Aushübe (ungefähr 1,5 Meter tief) mussten zuerst hineingehüpft und wieder hinausgeklettert werden. Ordentlich Schaum, eiskaltes Wasser und Schlamm sorgten ab diesem Zeitpunkt schon für den richtigen Strongman-Anstrich.

Hindernis 2: „Knie-Mandsland“
Kriechen, kriechen, kriechen! Etwa hüfthohe Begrenzungen sorgten für eine schier endlose Fortbewegung auf allen Vieren. Der Clou: Wassersprenger und kleine Bändchen, die einem bei Berührung einen schönen Stromschlag verpassten!

Hindernis 3: „Irrvana“
Keine Ahnung, was dieses Hindernis sollte. Ein paar Poller, Stangen (oder wie man das auch nennen will) standen im Weg. Manche (darunter auch ich, bemerkten gar nicht, dass das ein Hindernis sein soll). Sollte ein Irrgarten werden, leider ein Fehlschlag!

Hindernis 4: „50 Shades of Mud“
Ein 50 Meter langes Hindernis. Ganz kurz gesagt: Matsch, der aufgrund einer Begrenzung nach oben, wiederum kriechend absolviert werden musste.

Hindernis 5 „Eifler Südwand“
Ein 900 Meter langer Berg mit 100 Höhenmetern, dazu immer wieder kleine Hindernisse aus Strohballen und Autoreifen.

Hindernis 6 „Butt Spencer“
Die erste der zwei Wasserrutschen, hinein in eiskaltes Wasser!

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Ruuuuutschen !!!

Hindernis 7 „Knieminator“
Gitter mit einer maximalen Höhe von 80cm verhinderten das Aufstehen und ließen die Knie wieder ordentlich brennen.

Hindernis 8 „Eigerstrohwand“
Hier mussten zwei Schiffcontainer überwunden werden, wobei der Auf- und Abstieg über Strohballen geschah.

Hindernis 9 „Monkey Bridge“
Und weiter ging’s: Überwindung von Überseecontainern, wobei diesmal der Auf- und Abstieg über gespannte Netze passierte.

Hindernis 10 „Duckingstation“
Aufstehn und wieder in gebückter Haltung unter den Hindernissen hindurch brachte den Kreislauf wieder ordentlich in Schwung!

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Kriechen, kriechen, kriechen .. immer wieder …

Hindernis 11 „Intersport Heldenpresse“
Hindernisse aus Baumstämmen mit aufgezogenen Reifen in unterschiedlichen Höhen, sodass mal obendrüber, mal untendrunter durch getaucht werden musste.

Hindernis 12 „Brooks Slamarama“
Einsinken erwünscht! Eine Schlammpiste musste überwunden werden. Je schneller, desto geringer die Gefahr sich festzulaufen oder gar Schuhe zu verlieren!

Hindernis 13 „Walking Wet“
Ein Wasserhindernis mit einer Länge von 40 Metern bei einer Tiefe von angepriesenen 2 Metern. Schwimmen, schwimmen, schwimmen! Teilweise konnte man doch stehen, aber es war Arschkalt!

Hindernis 14 „Boxenshock“
Eine Traversenkonstruktion mit herunterhängenden Bändchen. Wer nicht ausweichte, kassierte einen Stromschlag. Krampfgefährdete Läufer kamen hier voll auf ihre Kosten, da so ein kleiner Stromschlag das Ganze doch arg beschleunigt hat.

Hindernis 15 „Brooks Gummilicious“
Ein schwarzes Meer aus Autoreifen. 14.000 Stück gab es davon zu überwinden. Volle Konzentration und Gleichgewicht waren hier gefragt. Ansonsten Absturz und üble blaue Flecken!

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Das Reifenmeer kurz vor Start und Ziel

Hindernis 16 „Mount Buttmore“
Die zweite Wasserrutsche. Ab ins eiskalte Nass!

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Volle Entschlossenheit!

Hindernis 17: „Endgegner“
Kletterkünste waren hier nochmals gefragt. Schiffscontainer, Strohballen, Netze, was das Herz begehrt!

Und bevor ich es vergesse: Zwischen den einzelnen Hindernissen waren immer wieder kleine aber auch große Berge hinauf zu klettern. Schon ziemlich bergig in der Eifel. Und ab in die zweite Runde.

Diese war um einiges angenehmer als die erste, da frei gelaufen werden konnte, ohne Verkehr, ohne Anstehen und ich so ordentlich aufs Tempo drücken konnte. So kommt es auch zustande, dass ich auf Runde zwei 3.000 Leute überholen konnte. Viele davon auf der Strecke, andere lediglich auf der Ergebnisliste.

Nach 2 Stunden 59 Minuten und 17 Sekunden überquerte ich die Ziellinie. Eine Zeit unter 3 Stunden ist mit Sicherheit nicht schlecht, aber auch nicht gut. Ohne Verkehr wäre da sicher eine Zeit unter 2 Stunden 30 Minuten drin gewesen, aber der Blick auf die Uhr zählt am Ende eines solchen Wettkampfes ja nicht.

Das Spektakel an sich, die Menschen um einen herum, die Hindernisse, der Dreck, das Ausloten der eigenen Grenzen.

Nach dem Lauf hieß es dann, ein Stück Kuchen abgreifen, alkoholfreies Bier schnappen und schnell ab ins Warme.

Ein weiterer Tipp an dieser Stelle. Die Duschen befinden sich direkt neben der Kleiderabgabe. D.h. packt euch frische Klamotten ein und stellt euch direkt unter die warme Dusche. Ich selber hatte die Sachen im Auto belassen. Das rächte sich nun.

Mein Körper reagierte sofort: Muskelzittern, da half auch die Rettungsdecke nicht sonderlich weiter. Erst in frischen Klamotten und nach einem warmen Kaffee war ich wieder an Bord und bereit für die Heimreise!

Fazit: Einer der geilsten Läufe, die ich in meinem Leben mitmachen durfte. Der Teamspirit, das gegenseitige Hochwuchten auf die Hindernisse … ein Zusammengehörigkeitsgefühl, ja fast schon Kameradschaft, die ich zuletzt so während meiner Bundeswehrzeit erleben durfte. Liebes Orga-Team, wir seh‘n uns 2015!

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Kalt ..

Am Rande bemerkt: Der Nürburgring, ein Beispiel für politischen getriebenen Gigantismus inmitten der rheinland-pfälzischen Provinz. „Bitte nehmen Sie die Ausfahrt, in Richtung Nürburgring“, so sprach mein Navigationssystem und ich folgte brav. Doch staunte ich nicht schlecht, da noch 40 Kilometer bis zur eigentlichen Rennstrecke zurück zu legen waren.

Entlang malerischer Wälder und Dörfchen erblickte ich dann nach gefühlten zwei Stunden Fahrtzeit den Ring! Rund 350 Millionen Euro hat dieser Komplex gekostet (offizielle Angabe). Und was hat der Steuerzahler davon? Eine Rennstrecke aller erster Güte mit „ring°boulevard“ (eine riesige Erlebnismeile mit Geschäften von Autoherstellern und Top-Hotels sowie das Eifeldorf mit Restaurants und Diskotheken, deren Auslastung ich gerne mal sehen würde).

Das Beste an dem Ganzen aber ist mein Liebling: die „ring°racer“. Eine Achterbahn, die nie richtig fuhr und durch den kompletten Themenpark führt. Das Fazit zu meinem ersten Besuch des Nürburgrings fällt dementsprechend aus: Weniger ist mehr. Kaum zu glauben, dass bei fehlender Infrastruktur, noch dazu in einer aussterbenden Region jemals der Glaube an Erfolg bei diesem Projekt bestand!

 

Ort, Datum: Nürburgring, 10. Mai 2014
Startnummer: #13297
Distanz: 24 km
Höhenmeter: jede Menge!
Zeit: 02:59:17
Platzierungen: 2115. von 8.176 (Gesamt)
Urkunde: PDF
Ergebnisliste: PDF
Homepage der Veranstaltung: Link